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Iris Wolff: So tun als ob es regnet

Lesung: Iris Wolff, So tun als ob es regnet.

So tun, als ob es regnet bezeichnet im Rumänischen einen Zustand, wenn man auf etwas Gesagtes nicht reagiert, die Aufforderung eines anderen mit einem abwesend in die Ferne gelenkten Blick überhört“, erklärte Iris Wolff, die am 19. Jänner in der Mediathek Maria Anzbach aus ihrem gleichnamigen Roman las.  Sie erwies sich nicht nur in dem vorgetragenen Text, sondern auch in den begleitenden Erläuterungen über die Figurenzeichnung ihres Romans, über das Erforschen des eigenen Erinnerungsschatzes und das buchstäbliche Verdichten desselben zu neuen Wahrheiten als meisterhafte Sprachkünstlerin, die mit der Klarheit und Tiefe ihrer Gedanken, ihrer Wort- und Bildschöpfungen beeindruckte.

Die Autorin aus Freiburg im Breisgau, auf Lesereise in Österreich, wurde in Hermannstadt/Siebenbürgen (Sibiu) geboren. In ihren Romanen erzählt sie von der kulturellen Vergangenheit Siebenbürgens und vom Kulturwechsel der aus Siebenbürgen ausgewanderten Generationen. Sie entfaltet dicht gewobene Seelenlandschaften, zeichnet ansprechende Naturbilder und findet für alles Schreckliche wie für alles Schöne des Lebens einen sinnfälligen Ausdruck. Die musikalische Begleitung von Eva-Maria Wallisch auf der Harfe und Susanne Weilguny auf der Querflöte, die Kompositionen von HarfenistInnen des 20. Jahrhunderts mit großer Empfindsamkeit spielten, gab den Preziosen der Sprache eine stimmige klangliche Fassung.

Iris Wolff, geboren 1977 in Hermannstadt/Siebenbürgen. Studium der Germanistik, Religionswissenschaft und Grafik & Malerei in Marburg an der Lahn. Langjährige Mitarbeiterin des Deutschen Literaturarchivs Marbach.

Der Roman "Halber Stein" erhielt den Ernst-Habermann-Preis 2014. Neben dem Schreiben am Kulturamt der Stadt Freiburg im Breisgau tätig.

Foto: Eduard Riedl

Datum: 
19.01.2018 - 19:00 Uhr